Lena — Die exklusive* Konzertbesprechung

Montag, 15. April 2013 von Lukas

Vor zwei Jahren: Westfalenhalle, deutlich nicht ausverkauft. Vor der Tür ein Promo-LKW von Opel und Menschen, die Eintrittskarten verschenken. Heute: FZW, auch nicht ganz ausverkauft, aber deutlich besser gefüllt. Im Vorraum ein einfacher Merchstand, der CDs, T-Shirts und Tassen verkauft. Es könnte ein ganz normales Konzert sein.

Unter anderem hier, wo sonst Bands wie Soundgarden, New Model Army und kettcar auf der Bühne stehen (zugegebenermaßen aber auch solche wie Mrs. Greenbird und Silly), will Lena Meyer-Landrut die zweite Phase ihrer Karriere einläuten. Der Start zur Erschließung eines neuen Publikums letztes Jahr beim Reeperbahn-Festival war eher nicht so gut verlaufen, die Clubtour zum dritten Album “Stardust” soll Lena jetzt als ernstzunehmende Künstlerin abseits der ESC- und ProSieben-Verwertungsketten etablieren.

Die gute Nachricht: Ihr Publikum ist ihr treu geblieben. In der Halle steht wieder diese merkwürdige Mischung aus sehr jungen Kindern mit Leuchtstäben und Eltern auf der einen und etwas Besorgnis erregenden, allein reisenden Männern über 40 auf der anderen Seite. Die schlechte Nachricht: Neue Zielgruppen hat Frau Meyer-Landrut zumindest im Ruhrgebiet nicht erschließen können.

Das könnte auch schwierig werden, denn die ersten Minuten des Konzerts bestätigen alle Klischees der affektierten, nervigen Göre, mit denen sich Lena seit zwei Jahren rumschlagen muss. “Ihr seid das schönste Publikum, das ich bis je gesehen habe — bis jetzt”, klingt bei Götz Alsmann irgendwie charmanter und augenzwinkernder und dieses bizarre Rollensprechen, das Lena sich irgendwo bei Sarah Kuttner, Nora Tschirner und Anke Engelke abgeschaut hat und in das sie immer wieder verfällt, sorgt selbst bei mir für Fremdscham-Gänsehaut.

Musikalisch gibt es wenig auszusetzen: Produzent Swen Meyer (Tomte, kettcar, Kilians) hat eine hochsolide Backing Band zusammengestellt, die in ihren besten Momenten mit Chorgesang und Glockenspiel tatsächlich an irgendwelche skandinavischen Indie-Bands erinnert, und Lenas Stimme ist über die Jahre dann doch ein bisschen intensiver und lauter geworden. Das ziemlich ruhige Liebeslied “To The Moon” ist als Opener (nach Edith Piafs “Non, Je Ne Regrette Rien” als Aufmarschmusik — nun ja) nicht unbedingt die nahe liegendste Wahl, nimmt das Publikum aber ganz gut in Empfang. Es wäre vielleicht zu viel des Guten gewesen, wenn Lena The-Killers-mäßig die Hits direkt am Anfang abgefackelt und zum Beispiel mit “Satellite” eröffnet hätte.

Ansonsten ist die Setlist schon deutliche Emanzipation: Lena spielt fast das gesamte “Stardust”-Album, dafür sehr wenig von den ersten beiden Alben — und keine einzige Stefan-Raab-Komposition. Bei “Day To Stay” darf die kleine Mandy aus dem Publikum auf die Bühne und den Refrain singen, was ganz fürchterlich hätte schief gehen können, aber tatsächlich für den ersten echten Überraschungsmoment des Abends sorgt. Sie macht das gar nicht schlecht und weil Lena ja die Strophen singen muss, hat sie keine Zeit, “The Voice Kids”-mäßig auszuflippen.

Aufgepimpt wird die Liedauswahl mit Coverversionen, mit denen sich Lena eigene Wünsche erfüllen will: “Je Veux” von Zaz hätte es nicht unbedingt gebraucht (aber da mag ich schon das Original nicht), “Lifening” von Snow Patrol inspiriert ein Teenager-Mädchen neben mir zu dem Kommentar: “Bis jetzt fand ich sie ja eigentlich ganz okay — aber ich bin Snow-Patrol-Fan!”, und “Rich Girl” von Hall & Oates hat Lena vermutlich bei The Bird & The Bee entdeckt. Die beste Idee ist es aber, den Zugabenblock mit “Baby, One More Time” zu eröffnen: Können die Kinder nix mit anfangen und die Erwachsenen rollen mit den Augen, aber Lena hat sichtlich Spaß.

So ein Pfeifen auf die Erwartungen würde ich mir auch vom Rest des Programms wünschen, aber der ist zu unentschlossen: Dass Lena die alten (also: jungen) Fans nicht verprellen will, ist verständlich, aber weil sie gleichzeitig ein neues, eher alternativeres Publikum ansprechen will, gerät das alles zu einem Spagat zwischen Kindergeburtstag und “normalem” Konzert, der nicht so recht gelingen will. Da ist Max Mutzke mit seiner Neuausrichtung zum Beispiel konsequenter gewesen.

Andererseits sollte Max Mutzke Lena auch Mut machen, was eine Karriere nach dem Song Contest und nach Stefan Raab angeht: Sie wird ihr Ding schon machen. Natürlich ist es erst mal ernüchternd, sich auf einem neuen Erfolgslevel einzupendeln, wenn man derart erfolgreich gestartet ist wie Lena. Aber, hey: Diesmal sind etliche Konzerte ausverkauft, sie hat eine gute Fanbasis, die sie vielleicht doch noch ausbauen kann. Im Laufe des Abends werden ihre Ansagen schon mal deutlich weniger anstrengend und verkrampft. Lena muss sich nicht wie Alexander Rybak als One-Trick-Pony dem ESC-Wanderzirkus anschließen. Noch nicht mal als Two-Trick-Pony: “Taken By A Stranger” gewinnt als Mash-Up mit dem Vorbild “Tainted Love” noch mal dazu und “Satellite” kommt in einem neuen, etwas jazzigeren Arrangement daher, aber aus dem Abend nehme ich vor allem einen unfassbaren “Stardust”-Ohrwurm mit.

Lena beendet den Abend nach etwas über anderthalb Stunden mit “Goosebumps”: “I know that we will meet again”, singt sie und das ist natürlich arg programmatisch gewählt, aber passt schon.

*) “Exklusiv” in dem Sinne: Es ist die einzige, die wir hier schreiben.

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Absage aus Deutschland erschüttert den Grand-Prix

Donnerstag, 7. März 2013 von Presse

Stefan: Lukas.
Lukas: Stefan.
Stefan: Du hast beim Vorentscheid hinter den Kulissen mitgearbeitet, für den NDR. Machst du das etwa auch in Malmö?
Lukas: Ja.
Stefan: Und wie sollen wir dann von da ein Malmblög machen?
Lukas: Gar nicht. Es gibt nämlich in diesem Jahr gar kein Malmblög.
Stefan: Ach ja.

Bochum/Berlin. Es ist das schockierende vorläufige Ende einer Institution, die auf die Ewigkeit angelegt schien: Erstmals seit 2009 wird der Eurovision Song Contest (ESC) in diesem Jahr ohne ein Videoblog von Lukas Heinser und Stefan Niggemeier stattfinden.

Aus dem Umfeld der beiden amüsanten Wort- und Bildakrobaten ist zu hören, dass es nicht an Cascada oder ihrer Interpretation von “Euphoria” liege. Die Entscheidung sei bereits vor Monaten gefallen. Aufmerksame Zuschauer konnten erste Anzeichen schon in Baku entdecken. Eine Szene in den Outtakes zeigt den Moment, als Lukas Heinser eine SMS des deutschen Grand-Prix-Beauftragten Thomas Schreiber erreicht. Es handelte sich dabei offenbar um die Erwiderung einer Kontaktaufnahme, die bereits darauf abzielte, Möglichkeiten für Heinser auszuloten, den ESC von der anderen Seite erleben zu können: aus der Sicht der deutschen Delegation.

Heinser und Niggemeier wollten sich zu Fragen nach einer möglichen Zerrüttung des persönlichen Verhältnisses nicht äußern. Eine Sprecherin wies entsprechende Spekulationen aber ebenso zurück wie die Vermutung, dass Differenzen über die weitere konzeptionelle Entwicklung hinter dem vorläufigen Aus für das beliebte Format stehen. Sie verlautbarte eine Stellungnahme von Heinser: “Die meisten Duos haben nicht lange durchgehalten. Ich möchte den Weg von Andrew Ridgeley, Art Garfunkel und Klaus gehen und zeigen, dass ich auch solo Karriere machen kann. Und wenn nicht, sehen wir uns nächstes Jahr auf unserer Reunion-Tour.”

Heinser wird in diesem Jahr zwar in Malmö dabei sein, aber nicht an Niggemeiers Seite, sondern vermutlich der von Peter Urban. Niggemeier plant, die Veranstaltung höchstens aus der Ferne zu begleiten. “Die Distanz zu Menschen wie Jon Ola Sand und Sietse Bakker wird mir guttun”, ließ er ausrichten, “von der Musik ganz zu schweigen.” Selbst ein möglicher Tylerfolg für Großbritannien vermochte ihn nicht umzustimmen.

In Fankreisen wurde die Nachricht mit Entsetzen aufgenommen. Unklar ist, was nun aus Wortspielen wie “Malmdudler” oder “Malm-Öhi” wird und ob die Berichterstattung über die Veranstaltung sich unter diesen Voraussetzungen überhaupt für die prestigeträchtige Karl-Lauer-Gedächtnismedaille qualifizieren kann. Eine nachträgliche Verwendung in zukünftigen gemeinsamen Videoformaten wollten aber weder Heinser noch Niggemeier ausschließen, die die Gelegenheit nutzten, ihrem Publikum ein vages, aber optimistisches “Grandprixdersehen!” zuzurufen.

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Mein Lied für Baku

Freitag, 28. September 2012 von Lukas

Ein Geheimnis der diesjährigen ESC-Saison haben wir bisher noch nicht enthüllt: Ich habe beim Versuch, eine eigene Komposition beim Eurovision Song Contest zu deponieren, nicht nur am Casting zu “Unser Star für Baku” teilgenommen, ich habe auch einen Song für den diesjährigen deutschen Vorentscheid eingereicht.

Wobei: Das stimmt so auch nicht. Ich glaube, die Deadline war schon abgelaufen und ich bin nicht sicher, ob meine Bewerbung überhaupt den Anforderungen entsprach. Ehrlich gesagt weiß ich nicht mal, ob meine E-Mail überhaupt bei der Plattenfirma angekommen ist.

Aber ich habe es – wenn auch offenbar ein wenig zu halbherzig – versucht. Und diesen, meinen Beitrag, den Roman Lob im Finale von “Unser Star für Baku” dann doch nicht gesungen hat, den können Sie jetzt hören, exklusiv im Bakublog:

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Bakublog-Outtakes (5)

Dienstag, 10. Juli 2012 von Lukas

Sooooo …

Bei den wirklich allerletzten Resten aus Baku mit dabei: Ein ESC-Songquiz mit Lena, Finalteilnehmer beleidigen mit Lukas und ein eingeschlafener Fuß von Stefan.

Und wenn wir uns das nächste Mal sehen, wissen wir auch, wer gewonnen hat:

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Bakublog-Outtakes (4)

Dienstag, 3. Juli 2012 von Lukas

Heute werfen wir ein Blick in mein Hotelzimmer, in dem sich zwei Journalisten breitgemacht haben, und erfahren, was Modern Talking mit Adolf Hitler zu tun haben:

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